2003_001285_lebenswege.jpg
Lebenswege Lebenswege Übersicht
   

 

ein Fußabdruck für’s Leben
Michael Spengler realisiert das
Projekt „Lebenswege“ in Eckernförde
2003_001314_lebenswege.jpg
Die nächsten Füße warten schon

Eckernförde
Semjon  & Markus Feuerstack

„Menschen hinterlassen gerne Spuren.“ erklärt Michael Spengler aus Berlin, der zur Zeit ein viermonatiges stipendium im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in Eckernförde macht. Während dieses stipendiums wird das Projekt „Lebenswege“ realisiert: Von der Nikolaikirche und dem Rathaus bis zum Mühlenbergfriedhof werden Ziegelsteine ins Pflaster eingebettet, in denen ein Kinderfußabdruck deutlich zu sehen ist.. „Kinderfüße, die zum Friedhof führen, mag makaber klingen“, erläuterte Michael Spengler den Zusammenhang: „aber es sind erstmal nur sichtbare Lebenszeichen“ Als er das stipendium im Künstlerhaus antrat, stellte sich unweigerlich die Frage, was er während dieser vier Monate anstellen sollte. Als gebürtiger Itzehoer mit Norddeutschland verbunden, war für ihn klar, dass es etwas für die stadt Eckernförde sein sollte, etwas im stadtbild bleibendes. Auch dass das Projekt mit steinen zu tun hat, stand für Spengler außer Frage – berufsmäßig hatte er schon als Bildhauer und steinrestaurator gearbeitet, jetzt ist er als Grabkünstler tätig.

2003_001347_lebenswege.jpg
Fußwaschung mit kichern

 „Ich mache Grabzeichen mit Anlehnung an das Leben des Verstorbenen, das geht nur nach Gesprächen mit den Angehörigen, ist dafür aber einmalig.“ zeigt Michael Spengler seinen Weg, aus einer letzten Ruhestätte gleichzeitig ein Kunstobjekt zu machen. Seinen berufsmäßigen Umgang mit der Vergänglichkeit des Seins bezeichnet er als maßgebend für seine Idee der „Lebenswege“. ein anderer Hauptaspekt seien die hinterlassenen Fußspuren: „Gerade Kinder freuen sich, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Deshalb steht auf jedem stein der Name des Kindes und jeder kriegt einen Lageplan des steines.“ Dass die Kinder ihre Fußabdrücke wieder finden und Eltern wie Freunden zeigen wollen, ist Michael Spengler sich sicher: „Man kann sogar nach Jahren noch den Platz aufsuchen, nur um zu sehen, wie der Fuß gewachsen ist.“ nennt er als Idee für die Kinder. Die einzige Grenze der Fußabdrücke war die Größe der Ziegelsteine, deshalb konnten nur Füße bis Schuhgröße 39 in die noch ungebrannten Ziegel gedrückt werden.

2003_001338_lebenswege.jpg
Mutter und Kind, gebrannte Fußspuren

 „eigentlich schade.“ fanden das sowohl Michael Spengler als auch die im st.-Nikolai-Kindergarten tätige Birgit Rogalla, die mit ihrer Gruppe von 15 Kids im Künstlerhaus zu Gast war. Von dem Projekt zeigte sie sich begeistert: Die Anregung, sich schon zu Lebzeiten mit der eigenen Vergänglichkeit zu befassen, aber nicht negativ oder weinerlich, sondern gelassen, sowie die christliche Komponente der „Lebenswege“ faszinierten sie. Gelassen sollte man sein Ende auch nach Meinung von Michael Spengler sehen: „Auch wenn man es nicht unbedingt merkt, verändert man etwas in der Geschichte. Die Welt würde sich anders drehen, wenn es nur einen einzigen Menschen nicht gegeben hätte, den es gab oder gibt.“ Besonders interessant findet er es, über die Spuren zu philosophieren, die ein Mensch hinterlässt.

2003_001321_lebenswege.jpg
Mit Nummer und Namen versehen lassen...

„Spurensuche“ in Zusammenhang mit seinem bevorzugten Material stein ließ Spengler auf die Idee kommen, von alten Gehwegsteinen Lithographien (steindrucke) herzustellen. Die portraitierten steine erhielten ihre Gestaltung durch unzählige Füße, die sie im Laufe der Zeit abgeschliffen hatten. eine künstlerische Umsetzung dieser Fußspuren ergab eine Fußabdruckmaschine: Auf Knopfdruck tritt ein Fuß in ein Wassergefäß, schwenkt um zu einer steinplatte und hinterlässt dort einen deutlichen Abdruck. Aber flugs springt ein Fön an und merzt den feuchten Fleck wieder aus…

2003_001362_lebenswege.jpg
..die Ziegel sich weiter zuordnen

In Eckernförde begannen im Sommer die Experimente mit den durch die Ziegelei Hanerau-Hademarschen gesponserten steinen und die Verhandlung zur Realisierung des Projekts. Der Kulturbeauftragte Sven Wlassack griff begeistert die Idee auf und schaffte es, nach anfänglichen Widerständen, Politik und Verwaltung von dem Projekt zu überzeugen.
Insgesamt 800 steine mit Fußabdrücken sollen im Sommer 2004 auf dem Weg von der Innenstadt bis zum Mühlenbergsfriedhof verlegt werden. Das wird harte Handarbeit, schließlich sollen die Ziegel fachmännisch in das Pflaster der stadt eingepasst werden. „Das ist so eine Art Puzzle“ meint der Künstler, „ich rechne mit einer Bauzeit von über drei Monaten, wenn wir für den einzelnen stein eine dreiviertel stunde benötigen.“ Knapp 3,5 Kg wiegt ein gebrannter Ziegel. Die stolze Summe von 80 Tonen werden Spengler und seine Helfer während der gesamten Aktion zu heben haben.

2003_001340_lebenswege.jpg
"Das Lager"
2003_001361_lebenswege.jpg001658.jpg
Bevor es zu brennen geht wird vorgetrocknet       Ab ins Auto, mit den feuchten Teilen... 
001701.jpg
und zur Ziegelei (Verwaltung)
fast alle Fotos von fognin  

 

Schleswig-Holsteinisches Künstlerhaus e.V. , Sparkasse Eckernförde, BLZ 210 520 90, Kontonummer 18747, stichwort „Lebenswege“, Spendenquittung ist möglich
Ansprechparnter:
Sven Wlassack (04351 - 710- 170) Marianne Tralau, st. Nicolai-str. 7, (04351- 726 404); Michael Spengler, Büro: denkwerk; bildhauerei und steinrestaurierung; fon und fax: 030/4499710; mobil: 0160/7910717

Internet: www.otte1.de  (S-H Künstlerhaus); www.denkwerk-berlin.de
fast alle Fotos von fognin

   Hauptseite  -   Übersicht - Bilder Index Verein  -  Stipendium - Impressum